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Bewohnerinnen berichten – „20 Jahre Gewalt erleben“

„Seit 23 Jahren bin ich verheiratet und davon waren leider nur drei frohe und glückliche Jahre drin!
Vor der Ehe war mein Mann ganz anders, er half im Haushalt, hatte immer ein liebes Wort sowie ein offenes Ohr für mich. Als er dann später seinen Beruf wechseln musste, fing es an, dass er in eine Saufgruppe geraten war. Er kam öfter von der Schicht betrunken nach Hause und ab dem Tag hatte ich nichts mehr zu lachen. Die Schimpfwörter, die ich täglich an den Kopf geworfen bekam, waren für mich die schlimmsten der Welt und ich fühlte mich dadurch sehr erniedrigt.
Unser Sohn war gerade drei Jahre alt, als er im betrunkenen Zustand meinen Sohn und mich vor die Tür setzte und wir somit auf der Treppe schlafen mussten, weil er versucht hatte mich zu vergewaltigen und ich nicht so mitgemacht habe wie er das wollte. Die Folge war, ich hatte mir eine starke Erkältung zugezogen, da ich den Jungen in meinen Mantel eingehüllt habe, um ihn vor der Kälte zu schützen.
Mein Mann hatte auch öfters seine Hände um meinen Hals gelegt und so lange zugedrückt bis mir schwarz vor den Augen wurde, erst dann hatte er von mir abgelassen und gesagt: „dich Mistsau mache ich mit den Nerven fertig“, denn normal sei ich sowieso nicht mehr.
Nach mehreren Versuchen mich scheiden lassen zu wollen und der Dummheit ihm doch immer wieder zu glauben wurde alles nur noch schlimmer, weil er mich ständig im betrunkenen Zustand verprügelte, beschimpfte, die Treppe runter stieß, mir die Augen blau schlug und mir einige Rippen geprellt hatte. Außerdem hatte ich am ganzen Körper blaue Flecken und das oft zweimal die Woche. Aber das allerschlimmste war für mich, dass er unseren Sohn aus der gemeinsamen Wohnung raus geworfen hatte. Von da an war ich völlig am Boden zerstört, da mein Sohn mein ein und alles war.
Er hatte mich sogar öfter im Kinderzimmer eingeschlossen, Radio, Fernseher und Strom weggenommen, so habe ich im Dunkeln gesessen. Er sagte zu mir: „dich lasse ich nie gehen, vorher bringe ich dich lieber um“. Ich war froh, dass mein Sohn stets mir zur Seite stand und mir half den Schritt ins Frauenhaus zu wagen. Hier wird man in jeder Lage mit Rat und Tat von den freundlichen Betreuerinnen unterstützt. […]

„Meine Zeit im Frauenhaus“

Als ich im Mai mit meinen zwei Kindern ins Frauenhaus kam, war ich ein einziges Nervenbündel und wusste eigentlich nicht wie es weiter gehen sollte. Ich traf auf sehr viel Verständnis für meine Situation seitens der Mitarbeiter des Hauses. Als erstes konnte ich über alles was mich zu diesem Zeitpunkt bewegte nachdenken, d. h. ich hatte Zeit den eigenen Frieden zu finden. Als diese Phase vorbei war gab es jederzeit die Möglichkeit mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.
Heute muss ich sagen, ich habe wenig davon Gebrauch gemacht, ich habe viel lieber anderen Frauen zugehört und versucht aus meiner Sicht und mit meiner Art den anderen Frauen zu helfen.

..….. Damit habe ich meine eigenen Sorgen verdrängt, aber das war nicht so schlimm, denn ich hatte etwas anderes gewonnen – nämlich Vertrauen und Akzeptanz. Ein Gefühl, was in den letzten Jahren verloren gegangen war, damit habe ich wieder Selbstvertrauen bekommen und die Lust am Leben nach dem Motto: ‚Es kann nur noch besser werden’ hat mir viel Kraft gegeben.
Auch für mich gab es in der Zeit als ich im Frauenhaus lebte Höhen und Tiefen, die bewältigt werden mussten.
Ende des Monats bin ich in meine eigene kleine Wohnung gezogen und ich muss heute sagen, ohne die Erfahrungen während der Zeit im Frauenhaus hätte ich diese Entscheidung nicht getroffen, denn ich hatte mir früher einfach zu weinig zugetraut.
Heute bin ich froh diesen Weg gegangen zu sein, trotz einiger Schwierigkeiten habe ich es geschafft auf eigenen Füßen zu stehen, ich habe eine schöne kleine Wohnung und ich komme gern nach Hause, weil ich mich jeden Tag neu freue. Ich habe etwas geschafft – einen Neuanfang. Vielen Dank …